logo

Vierter Bericht aus Bolivien

Posted on 01/08/2010 at 08:34
Aktuelles >>

Liebe Freunde,
ein Teil von uns konnte am Wochenende die faszinierende Landschaft der groessten Salzwueste der Erde (Salar de Uyuni), samt der Kakteeninsel mit meterhohen, jahrhundertealten Kakteen, die einzigartige Landschaft der Lagunen mit ihren Flamingos ,die, in allen Erdfarben spiegelnden Vulkane und die absolut surreal wirkende Wueste Dali kennenlernen. Ein unvergessliches Erlebnis!
Ebenso unvergesslich wird uns aber auch unser Besuch heute bei den Familien, die von Arco Iris betreut und unterstuetzt werden, bleiben. Wir fuhren mit dem Esperanza Bus zu drei ausgewaehlten Familien in Randgebieten von La Paz.
Die Mutter der ersten von uns besuchten Familie ist mit ihren fuenf Kindern vor ihrem Mann geflohen, um sich und ihre Kinder vor Gewalt und Missbrauch zu schuetzen. Zuerst hauste sie mit ihren Kindern im Wald. Arco Iris half ihr, dass sie jetzt wenigstens einen Raum fuer sich und ihre Kinder hat. Dieser Raum hat die Groesse eines durchschnittlichen Bades bei uns. Unvorstellbar auf welch engem Raum hier die Menschen samt ihrem Hab und Gut zusammenleben. Die Mutter hat einen sehr guten Eindruck auf uns gemacht. Sie ist eine sehr beherzte Frau, die fuer ihre Kinder um ein besseres Leben kaempft. Ihr ganzer Stolz ist ihr aeltester, 16-jaehriger Sohn, der die Schule besucht. Sie kann im nahen Steinbruch von fuenf Uhr abends bis vier Uhr in der Frueh Steine waschen und bekommt dafuer umgerechnet ungefaehr 2 Euro. Ihre etwa elfjaehrige Tochter kuemmert sich ruehrend um das juengste Kind, ein Baby von 4 Monaten. Die Mutter bedankte sich aus tiefster Seele bei uns fuer unsere Unterstuetzung. So mancher von uns hat sich wohl sehr klein gefuehlt und heimlich eine Traene aus den Augen gewischt.
Die Mutter der zweiten Familie hat das Schicksal noch grausamer erwischt. Ihr Mann ist vor einigen Jahren gestorben. Seitdem spricht die Frau nicht mehr. Zudem bekam sie noch eine Embolie und ist seitdem halbseitig gelaehmt. Sie steht durch ihre Behinderung gesellschaftlich im Abseits und kann auch nicht arbeiten. Durch das Sammeln von leeren Flaschen versucht sie ein paar Bolivianos zu verdienen. Sie kann nur mit Hilfe von Arco Iris irgendwie mit ihren Kindern ueber die Runden kommen.
Auch die dritte, von uns besuchte Familie ist vaterlos. Er kam bei einem Autounfall ums Leben. Auch diese Frau lebt mit ihren sieben Kindern  von 16 bis 1 Jahren auf ungefaehr acht Quadratmetern. Der aelteste verdient Gott sei Dank als Taxischreier 15 Bolis am Tag ( ca. 1,70 Euro). Arco Iris hat der Familie erst kuerzlich ein Stockbett gekauft, damit sie wenigsten drei Betten haben. Viel mehr hat in dem Raum mit Lehmboden auch nicht Platz. Gekocht wird vor der Huette auf einer Feuerstelle. Ein WC gibt es in den meisten dieser Huetten nicht. Die Kinder hatten eine Riesenfreude ueber die selbstgestrickten Socken aus Tirol und ueber die mitgebrachten Stofftieren. Recht beschaemt ueber unseren, im Vergleich unvorstellbaren Reichtum fuhren wir wieder ins Zentrum.
Arco Iris unterstuetzt zur Zeit 120 Familien, nicht in Form von Geld, sondern mit einer geregelten, einmal woechentlichen Ausgabe von Lebensmitteln (Mehl, Reis, Nudeln, Fruechte, ...), mit medizinischer Versorgung, mit Schulmaterial fuer die Kinder und hilft den Familien bei Behoerdengaengen.

Wir haben verstanden, warum uns Padre Jose von Arco Iris dieses Projekt besonders ans Herz gelegt hat. Er sieht es fast als sein wichtigstes Projekt, denn hier geht es um Praevention. Auch wenn diese Familien noch so arm sind und sie zu dritt oder viert in einem Bett schlafen, sind diese Kinder nicht auf der Strasse. Sie haben familiaere Beziehungen zur Mutter und zu ihren Geschwistern. Sie muessen sich nicht prostituieren. Sie besuchen so gut es geht die Schule. Ihre Chancen, sich irgendwann ein "besseres" Leben aufzubauen, sind viel groesser als die der Strassenkinder.

Liebe Gruesse aus Bolivien im Namen des Esperanza-Teams
Monika und Benedikt

Back