logo

Zweiter Bericht aus Bolivien

Posted on 26/07/2010 at 05:41
Aktuelles >>

Liebe Freunde,
Am Wochenende machten wir einen Ausflug zum beeindruckenden Titikakasee. Dieser See ist tiefblau, zirka 13mal so gross wie der Bodensee und liegt auf fast 4000 Metern Seehoehe. Wir erlebten ein wunderschoenes Farbenspiel. Man hat das Gefuehl, man ist am Meer, nur sind die Temperaturen "etwas" kaelter.
 
Zurueck in La Paz widmeten wir uns wieder der Arbeit fuer unsere Strassenkinder. Unsere Erlebnisse dabei gehen einem noch bei weitem mehr unter die Haut als die wunderschoene, einzigartige Landschaft.
 
Gestern besuchten wir, den von uns unterstuetzten Verein "Arco Iris". Am Vormittag fuhr ein Teil von uns mit Sozialarbeitern auf die Strasse und besuchte eine Gruppe (Gang) von Strassenkindern. Sie bekamen einen heissen Kaffee und ein Brot und wurden zu diversen Aktivitaeten von Arco Iris eingeladen. Es waren auch zwei junge Muetter mit Babies dabei. Eines war erst eine Woche alt. Wir versorgten sie mit Windeln. Es ist fuer uns unvorstellbar, wie man bei dieser Kaelte, vor allem in der Nacht mit einem Saeugling auf der Strasse leben kann.
 
Zu Mittag waren wir im Haus "Casa de Paso" (Haus des ersten Schrittes) zum Mittagessen eingeladen. Hier essen die Kinder aus dem Heim, aber auch sehr viele Strassenkinder. Die Kinder warten geduldig in Schlangen, um sobald wieder ein Platz frei wird, um einen Boliviano (ca. 12 Cent) essen zu koennen. Es ist wichtig fuer ihr Selbstwertgefuehl diesen symbolischen Beitrag zu bezahlen.
Im Casa de Paso besichtigten wir einen wunderschoenen, mit viel Liebe nach westlichem Standard gefuehrten Kindergarten. Wir besuchten eine Werkstaette in der einige Strassenjungen mit viel Geduld und Ausdauer an ihren Werkstuecken arbeiteten. In dieser Werkstaette bauen auch viele, mit Hilfe eines sehr netten, sehr begeisterten Lehrers ihre Schuhputzkaesten, mit denen sie sich auf der Strasse ihren Lebensunterhalt verdienen koennen.
Eine weitere Station war das Heim fuer junge Muetter und Schwangere. Hier lernten wir z. B. ein dreizehnjaehriges Maedchen mit ihrem kleinen Jungen kennen. Zur Zeit sind acht Maedchen in dem Heim. Hier koennen die Maedchen bleiben bis sie achtzehn Jahre alt sind, aber auch aeltere Maedchen finden bis zirka drei Monate nach der Geburt Aufnahme. Es wird ihnen beim Weg in die Selbststaendigkeit mit Arbeitssuche, Zimmersuche, Zimmereinrichtung usw. geholfen. In dem Heim gibt es keine maennlichen Angestellten, da die meisten Maedchen durch Vergewaltigungen schwer traumatisiert sind. Umso mehr waren die Kinder von unseren maennlichen Mitgliedern (Walter und Benedikt) fasziniert.
Anschliessend besuchten wir noch das Maedchenheim von Arco Iris und besichtigten dort die Werkstaetten, in denen die Maedchen wunderschoene handbestickte Karten und Strickwaren herstellen. Dort sahen wir auch die professionell gefuehrte Baeckerei von Arco Iris, die von einem ehemaligen Strassenjungen geleitet wird. Das Brot wird nicht nur fuer den Eigenbedarf produziert, es werden z. B. auch einige Restaurants damit beliefert.
Als Hoehepunkt des Tages durften wir noch mit "Padre Jose" zu Abend essen. Dieser Mann, mit seinem einzigartigen Charisma und seiner Energie fuer seine Kinder hat uns schwer beeindruckt. Wir bekamen einen kleinen Einblick, wie schwer es ist, so eine grosse Organisation wie Arco Iris finanziell am Leben zu erhalten. Dieser Abend hat uns sehr motiviert, mit viel Einsatz fuer Esperanza weiterzuarbeiten.
 
Nach diesen vielen eindrucksvollen Erlebnissen eines Tages, sind einige von uns wohl lange nicht eingeschlafen. Es ist schwer die Bilder der Kinder auf dem Kopf zu bekommen.
 
Liebe Gruesse aus Bolivien im Namen des gesamten Teams
Monika

Back